Robert Koch: Seuchenjäger und Nobelpreisträger - und Schachspieler

15
Apr
2011
Robert Koch, Quelle: Wikimedia Commons

(Dieser Artikel erschien zuerst am 8. Dezember 2010 im Schachwelt-Blog von Jörg Hickl und am 5. Januar 2011 beim Deutschen Schachbund)

Vor einigen Monaten erschien im Spektrum-Verlag ein stolze 1087 Seiten umfassendes Werk über einen der prominentesten Forscher, die Deutschland je hervorgebracht hat: Heinrich Hermann Robert Koch.
Koch - bekannter unter seinem dritten Vornamen Robert - lebte von 1843 bis 1910. 1876 gelang es ihm, den Milzbrand-Erreger außerhalb des Organismus zu kultivieren und seine Entwicklung zu beschreiben. Sechs Jahre später entdeckte er den Erreger der Tuberkulose. 1905 erhielt Koch für seine Tuberkulose-Forschungen den Medizin-Nobelpreis, wobei der damals gerade erst seit vier Jahren vergebene Preis noch keine große Bedeutung hatte. 1910 verstarb Koch in Baden-Baden. Seine Urne wurde in das Berliner Institut für Infektionskrankheiten, das er jahrelang leitete, gebracht und dort in einem Mausoleum aufgestellt.

Obwohl Koch wenig Freizeit hatte und selbst diese noch dazu nutzte, bakteriologische Forschung zu betreiben, blieb noch Zeit für ein anderes Hobby: Schach. Die Liebe für das königliche Spiel verblaßte allerdings im Vergleich zum Forscherdasein Koch's. Vielleicht verschweigt deshalb auch das Onlinelexikon Wikipedia seine Schachbegeisterung. Oder sie ist einfach nur in Vergessenheit geraten.
Etwas genauer recherchierten die beiden Autoren des eingangs erwähnten Buches, der Augenarzt Prof. Dr. Johannes Grüntzig und sein Kollege, der Parasitologe Prof. Dr. Heinz Mehlhorn. Grüntzig schrieb mir vor einigen Wochen:

"Robert Koch, der Begründer der modernen Bakteriologen, war auch ein recht guter Schachspieler seit Kindesbeinen. Ihm vermachte deshalb der Großvater seine wunderschönen Schachfiguren, die sich jetzt im Besitz des Urenkels Pfuhl befinden, der ebenso wie seine Söhne Schach spielt (Fotos und entsprechende Briefe abgebildet im Buch). Koch hielt Schachzeitungen und ließ sie sich von seiner zweiten Frau aus Berlin auf seine Expeditionen in Afrika nachschicken. Als 'wissenschaftlicher Eremit' auf den Sese-Inseln im Viktoria-See (1906/08) bot ihm das Schachbrett die einzige Abwechslung. Aus zeitlichen Gründen dürfte er in Berlin aber kaum an Turnieren teilgenommen haben (er lebte von 1880-1910 in Berlin, wenn er nicht in Afrika oder Neuguinea weilte)."

Grüntzig interessierte, ob Koch in der Zeit von ca. 1903 bis 1908 Mitglied eines Berliner Schachklubs war oder ob es noch sogenannte Abonnentenlisten aus jener Zeit gäbe. Die Antwort darauf blieb ich ihm bisher schuldig. Vielleicht können andere schachhistorisch interessierte Menschen weiterhelfen.
Vom Hobbyhistoriker Andreas Lange aus Berlin erhielt ich die folgende Auskunft. In der Deutschen Schachzeitung vom August 1910 findet sich auf Seite 256 dieser Artikel:

Robert Koch, der verstorbene große Forscher und Gelehrte, wird nun auch, wie seinerzeit Moltke*, als eifriger Schachspieler reklamiert. Auf einer seiner Afrikafahrten habe er sogar ein wirkliches Schachturnier veranstaltet, an dem sich die Offiziere und Passagiere des Dampfers mit geringem Einsatz beteiligten. Koch war erster Sieger und trat seinen Gewinn der Schiffsbesatzung ab. Der zweite Preis fiel an den Oberingenieur, der dritte an den Arzt des Schiffes. Die beiden letzteren waren während der Fahrt auch zumeist die Schachpartner Kochs. Im Mußestunden spielte er Meisterpartien nach.

Weiterhin teilt Lange mit, daß im Mitgliederverzeichnis des Turnierbuches von Barmen 1905 ein "Koch Dr. med., Marinestabsarzt, Gross-Lichterfelde Mitglied des Schachklubs Turm" aufgeführt ist. Es scheint aber eher unwahrscheinlich, daß damit Robert Koch gemeint ist. Endgültigen Aufschluß könnte wahrscheinlich ein Blick in die Protokollbücher aus dieser Zeit bringen, die der 1898 gegründete und noch heute existierende SK Turm aufbewahrt hat.

*Graf Hellmuth von Moltke (* 26.10.1800, † 24.04.1891). Generalfeldmarschall, der in jungen Jahren als ausgezeichneter Schachspieler galt.

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Kommentare

Kommentar von Andreas Lange (SC Kreuzberg) |

Wusste garnicht, dass der andere Andreas Lange aus Berlin sich auch mit Schachgeschichte beschäftigt, oder ist das der andere, welcher mit einer Blindschach-Kritik im Netz negativ auffiel und mich zu einer Gegendarstellung nötigte?
Von mir hast Du die Robert-Koch-Info jedenfalls nicht bekommen.

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