Empor Berlin - früher und heute

25
Apr
2011

(Dieser Artikel erschien zuerst am 31. Januar 2011 im Schachwelt-Blog von Jörg Hickl)

Der Sportverein Empor Berlin ist einer der wenigen Vereine im Osten Berlins, der die politische Wende 1990 relativ unbeschadet überstanden hat. Insbesondere die Schachabteilung hat durch ihre Erfolge einen großen Anteil daran. Jahrelang gehörte die Schachabteilung zu den besten in der DDR. Allerdings nur 1990 konnte der DDR-Meistertitel gewonnen werden.

1991/92 gab Empor sein Debüt in der Bundesliga. In den ersten Jahren spielten hauptsächlich bereits aus DDR-Zeiten bekannte Spieler wie Rustem Dautov, Waleri Tschechow, Karsten Volke oder Dirk Poldauf. 1995 und 1997 gelang mit dritten Rängen die beste Plazierung in der höchsten deutschen Spielklasse, dazu kamen noch zwei vierte Plätze in diesem Zeitraum. In der Mannschaft standen namhafte Großmeister: Wladimir Kramnik, Alexej Schirow, Miguel Illescas, Robert Rabiega, Jörg Hickl, Uwe Bönsch, Raj Tischbierek, Thomas Luther, Mladen Muse, Eric Lobron. Das alles kostete natürlich auch Geld. Das kam von Bernhard Schewe, dem früheren Sektionsleiter. Er hatte sich nach der Wende selbständig gemacht, war Geschäftsführer der Spree-Capital GmbH. Die geriet bald in den Verdacht dubioser Machenschaften, der Veruntreuung der Gelder ihrer Anleger. Darunter waren auch viele Schachspieler, die ihrem Schachkumpel Schewe das sauer Ersparte anvertrauten.
Als Spree-Capital wie ein Kartenhaus zusammenfiel, wurde Schewe zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach verbüßter Strafe tauchte er irgendwann wieder bei Empor auf und trat in den Verein ein. Er wird zwar geduldet, aber einige Schachfreunde gehen ihm noch heute grußlos aus dem Wege.

Mit dem Abgang Schewes kam der Niedergang der Schachabteilung, jedenfalls für den leistungssportlichen Teil. Jahrelang konnten sich die Emporianer noch in der Oberliga halten, letzte Saison stiegen sie sogar aus der Landesliga ab. Das ist zwar bedauerlich, aber schon seit Jahren sind bei Empor die Prioritäten an anderer Stelle gesetzt: Nachwuchs und Frauenschach. Besonders verdient machen sich darum IM Julian Urban, FM Frank Kimpinsky und Co-Vorsitzender Bernd Jankowiak. Der 14jährige DC-Kaderspieler Aron Moritz ist das größte Talent Empors. Er darf bereits am ersten Männerbrett in der Stadtliga spielen - vor seinen beiden Trainern Julian Urban und Frank Kimpinsky. Mit 3½ aus 5 gegen einen DWZ-Schnitt von 2103 hat er die Erwartungen bisher übererfüllt und großen Anteil daran, daß die 1. Mannschaft einen Brettpunkt hinter Pankow 3 auf der Lauer im Kampf um den sofortigen Wiederaufstieg in die Landesliga steht.

Neben den Kindern steht auch das Frauenschach inzwischen bei Empor hoch im Kurs. Der eigene Nachwuchs wie beispielsweise Valeria Velina und Victoria Berdin wird ergänzt durch Spielerinnen, die von der guten Nachwuchsarbeit Empors gehört haben oder die in ihrem eigenen Verein keine Frauenmannschaft zusammenbekommen. Valeria Velina und ihre Freundin Katja Nekrassowa, die allerdings derzeit eine schachliche Pause macht, haben sogar einen ganz außergewöhnlichen Trainer: GM Robert Rabiega. Der begleitete die Beiden auch zu Deutschen Jugendmeisterschaften.

Für den 30. Januar hatte mich Julian Urban zum Fotografieren in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark eingeladen. Sein Frauenteam traf im Regionalliga-Punktspiel auf den USV TU Dresden.
Dresden Regionalliga? Die spielten doch vor kurzem noch Bundesliga - mit Elisabeth Pähtz? Genau. Nach der Saison 2008/09 und einem zweiten Platz hinter Baden-Baden war Schluß mit Frauen-Leistungssport. Alle guten Spielerinnen verließen den Verein, zurück blieb eine Rumpftruppe um Ina Gottschall, die nun versucht, sich in der Regionalliga über Wasser zu halten.

Zum Auswärtsspiel bei Empor reisten die Dresdnerinnen nur zu dritt. Gespielt wird in der Regionalliga an vier Brettern, ein Verlust an einem Brett wiegt da schon schwer.

Empor Berlin gewann am Ende 3:1. Nachfolgend einige Fotoimpressionen.

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